Bramfelder Schachklub von 1947

Zeltfreizeit der Jugendgruppe (13.5. – 16.5.99)


Wie konnte man schon immer den Schülern eine Klassenreise noch nachträglich vermiesen: Richtig! – man ließ sie einen Aufsatz schreiben. Da sich unter den Jugendlichen verständlicherweise kein Freiwilliger fand, liegt es nun an mir, diesen Bericht zu verfassen, was ich aber gerne tue.

Die Planung

Bekanntermaßen veranstaltet ein Hamburger Großverein jedes Jahr mit seiner Jugend eine Schachreise. Das brachte mich auf den Gedanken, so etwas auch bei uns zu versuchen. Um Kosten zu reduzieren und weil es auch mehr Spaß macht, sollte gezeltet werden. Eine erste Vorstellung dieses Gedankens im Februar stieß auf begeisterte Zustimmung. Als Ziel wählte ich den mir bekannten AZUR-Campingplatz bei Egestorf in der Lüneburger Heide etwa 50 km von Hamburg entfernt aus. In den nächsten Wochen organisierten wir dann Zelte für die geplanten ca. 14 Teilnehmer. Als Termin bot sich das lange Wochenende nach Himmelfahrt mit dem schulfreien Freitag danach an. Zu diesem Zeitpunkt sollte das Wetter eigentlich schon mitspielen.

Auf mehreren Trainingsabenden, die zu diesem Zweck etwas mißbraucht wurden, wurde dann über Schlafsäcke und Luftmatratzen, Verpflegung und Transport diskutiert. Hier stellte es sich als besonders günstig heraus, dass unser Mitglied Norbert Fortmann, gleichzeitig als Lehrer auch Leiter der Schach-AG an den Schulen Bramfelder Dorfplatz und Gymnasium Bramfeld, über einen großen Wagen verfügt und er außerdem Zeit und Gelegenheit hatte, einen Teil unserer Gruppe sowohl hin- als auch wieder zurückzufahren.

Ein Schreiben an die Teilnehmer und ihre Eltern wurde von mir im April verteilt; hier stand schon der Speiseplan und die benötigte Ausrüstung fest und auch eine Anzahlung von DM 30,- je Person wurde verlangt.

Dennis Wolkenhauer wurde als Kassenprüfer für die Abrechnung gewählt und auch der Vorstand informiert und insbesondere der Schatzmeister Heinz Bartlitz schon mal um einen Zuschuss "angebaggert".

Leider haben dann doch nicht alle Jugendlichen teilnehmen können (oder wollen?); zuerst verzichteten Michael, Omar und Farhad, dann entschloß sich auch noch Philipp (Müller), nicht mitzukommen. Am Tag der Abreise erreichte mich dann noch die Nachricht, dass auch unser neues Mitglied Viktor nicht dabei sein würde. Schade!

Aufbruch und Anreise

Am Morgen des Himmelfahrtstages war es dann soweit: Um 10 Uhr trafen sich die Teilnehmer und Begleiter am Parkplatz neben der Gesamtschule: Herr Kirsanow mit Sohn Simon, unserem jüngsten Mitglied, Frau Hein mit Tochter Jenny, dem einzigen weiblichen Mitglied, Herr Wolter mit Sohn Jan, Frau Kirsch und Sohn Sergius, Frau Craib mit Sohn Philip. Ohne Eltern kamen unsere "Großen": Dennis Wolkenhauer und Christian Mikat, unser Jugendsprecher. Herr Fortmann samt Bus und ich mit meinen Jungs Jonathan-Henry und John-Patrick (genannt: Jon-Jon bzw. J.P. – sprich: "Dschai Pie") kamen zum Schluss.

Wie wir uns erinnern, war das Wetter am Vatertag nicht besonders einladend zum Zelten, aber wir hofften, wenigstens einigermaßen trocken die Zelte aufbauen zu können. Und im übrigen sollte der Regen ja bis zum Wochenende nachlassen. Optimismus war also Trumpf.

Wir verteilten also Kinder, mitfahrende Eltern und Gepäck auf drei Fahrzeuge: Herrn Fortmanns Bus, Fam. Wolters Wagen und meinen Kombi. Durch die Rücktritte war unsere Gruppe auf nur noch neun Kinder geschrumpft. Und da erschien es mir unangebracht, mit mehr Wagen als nötig zu fahren, wenn jeder einen bequemen Platz hat.

Während allerdings Christian bei mir seinen Musikgeschmack nicht getroffen fand (Alster Radio), dröhnte bei Norbert Fortmann zu aller Plaisier "Deep Purple". - Kaum waren wir losgefahren, begann schon der erste heftige Regenschauer, der fast die gesamte Fahrt anhielt.

Nach einem kurzen "Verfranser" in Egestorf, fanden wir kurz nach elf Uhr dann "unseren" Platz. Nach dem Durchfahren der Schranke steuerten wir sofort die Wiese mit der Grillhütte an. Hier wurden gerade zum Vatertag Würstchen gegrillt und Bier und alkoholfreie Getränke gereicht. Um einen trockenen Moment zum Zeltaufbau abzuwarten, stellten wir uns einfach mal dazu. Herr Wolter spendete spontan 20 Mark, so dass für alle ein Würstchen als 2.Frühstück drin war, während die Herren sich an einem Bier stärkten. Vergeblich versuchte auch Dennis ein Bier zu bekommen, aber niemand glaubte ihm ohne Ausweis seine 16 Jahre.

Als kurz darauf der Regen aufhörte, beeilten wir uns, schnell unsere Zelte aufzustellen, die Luftmatrazen aufzublasen und für den sicher kommenden nächsten Schauer gerüstet zu sein. Gut, dass hier Frau Hein, Herr Wolter und Norbert Fortmann mit anpacken konnten, sonst hätten wir es wohl nicht so schnell geschafft. - Zuerst stellten wir nur 4 Zelte auf: J.P., Jon-Jon und ich (die Schneiders) im ersten; Dennis, Christian und Jan im zweiten; Philip, Sergius und Simon im dritten und Jenny im vierten. - Während es Norbert Fortmann noch schaffte, vor der Mittagsruhe um 13 Uhr den Platz zu verlassen, mussten Frau Hein und Herr Wolter uns zwangsweise noch bis 15 Uhr Gesellschaft leisten, da solange die Schranke zur Ausfahrt unten blieb.

Wir hatten unterdessen schon die Bockwürste heiß gemacht (auf Camping Gaskocher) und die mitgebrachten Frikadellen (kalt, Marke: Frau Aida Schneider) und den Kartoffelsalat (spendiert und gemacht von Jenny und Frau Angela Hein) verteilt und verputzt. Zum Glück gab es noch genug, um auch Frau Hein und Herrn Wolter satt zu bekommen. Nur Bier in der Grillhütte gab’s keins mehr. Dafür schien in dieser Mittagszeit zum ersten und einzigen Mal an diesem Tag die Sonne und es wurde richtig gemütlich warm.

Die viel zu kurzen Tage

Nachdem dann bis auf mich alle Erwachsenen verschwunden waren, begann zuerst wieder der Regen und dann die ersten Auseinandersetzungen. Speziell Simon und Philip mussten sich erst mal zusammenfinden, aber auch Jan und Dennis waren nicht immer ein leichtes Paar.

An diesem ersten Nachmittag wurde entweder im Zelt oder der Grillhütte der nächste Schauer abgewartet, oder dazwischen etwas Fußball oder Tischtennis gespielt. Mit dem erhofften Baden wurde es die ganze Zeit nichts: das Schwimmbad direkt neben unseren Zelten war bis auf etwas Regenwasser leider leer. Der einzige, der darüber wirklich traurig war und gerne ins Wasser wollte, war Simon. Allen anderen wäre das wohl doch zu kühl gewesen.

Gruppenbild mit Dame

Am Abend wurde dann gegrillt: Unsere Brat- und Thüringer Würstchen schmeckten allen und die Reste vom Kartoffelsalat und noch einige Frikadellen und Brot machten uns satt und friedlich, und das Feuer wärmte angenehm. Noch lange wurde geklönt und Witze erzählt, bis endlich in allen Zelten Ruhe war.

Am Freitag und Samstag spielten wir dann jeweils vormittags und nachmittags je eine Runde mit zwei Partien unser Schnellschachturnier (20 Min.) nach "Schweizer System". Wenn das Wetter es erlaubte, wurde auf den Campingtischen im Freien vor den Zelten gespielt, ansonsten in der Grillhütte. Am Freitag und Samstag wurde abends dann jedesmal noch ein volles 5-Minuten-Blitzturnier veranstaltet, bei dem nur Simon am Freitag absagte.

Dass ich bei allen Turnieren mitspielte, wurde übrigens ganz demokratisch beschlossen, wie auch die übrigen Entscheidungen (z.B. den Turniermodus betreffend).

Am Freitag meinte es das Wetter mit uns schon bedeutend besser als mit den Hamburgern; dort soll es angeblich heftig geschüttet haben, wie wir aus diversen Telefonaten mit den Eltern hörten. Bei uns gab es lediglich einen Schauer zur Mittagszeit. Da es im Zelt bei Jan, Dennis und Christian wohl doch etwas eng wurde, bauten wir am Freitag noch ein fünftes Zelt auf. Da aber Jan keine Lust hatte, allein zu schlafen, zog Jon-Jon zu ihm; angeblich auch um damit meinem Geschnarche zu entkommen.

Mittags gab es dann Eintopf: je nach Geschmack Hühnersuppe mit Nudeln oder Erbsensuppe mit Fleischeinlage. Da wir keinen Ehrgeiz hatten, mit einem Fünf-Sterne-Restaurant zu wetteifern, wurden nur ein paar Dosen zuerst auf- und dann der Inhalt heißgemacht. Dazu gab es Brot, bis alle satt waren.

Abends wurde dann wieder gegrillt; wir hatten noch genug Würstchen und auch noch Holz in der Grillhütte. Wer davon nicht satt wurde, aß noch Brot mit Wurst und Käse. Leider wurde das letzte Holz dann am Samstag von einigen Idioten (nicht von unserer Truppe!) vor ihrer Abreise mutwillig verheizt, so dass am Samstagabend das Feuer aus blieb. Hier starteten wir dann nach dem obligatorischem Blitzturnier zu der schon lange ersehnten Nachtwanderung.

Spannend wurde es dabei, als wir – um nicht langweiligerweise auf dem gleichen Weg zurückzumüssen – eine Rundwanderung anstrebten. Der erste Versuch führte uns in eine Sackgasse. Und der zweite Weg wäre wohl sogar im Hellen durch viele umgestürzte Bäume und Geäst recht beschwerlich gewesen. Aber im Dunkeln, nur mit Taschenlampen bewaffnet, war dieses Stück schon eine echt abenteuerliche Herausforderung. Dazu kam eine dunkel und gewitterdrohend heraufziehende Wolkenwand, die uns zu erhöhtem Tempo auf dem Rückweg veranlasste. Aber wir schafften rechtzeitig den Heimweg und alle hatten ihren Spaß an der Sache; richtig gefürchtet hat sich nicht einmal der kleine Simon, wenn auch die Großen in ihren Sprüchen gern etwas mit dem Horror kokettierten. Danach hatten auch alle die nötige Bettschwere, so dass dieser letzte Abend nicht mehr ganz so lange dauerte wie die vorigen. Nur Jon-Jon war schon vor der Wanderung eingenickt und hatte offiziell gebeten, ihn in diesem Fall nicht mehr zu wecken. Na ja, jeder wie er will und Lust hat...

Abreise und Heimkehr

Nach einem letzten Frühstück, wie immer mit Milch, Cornflakes und anderen Cerealien sowie frischen Brötchen(die leider nur am Sonntag), Brot, Honig, Schokopaste und Marmelade und einem letzten Einsatz den Küchendienstes begann dann das Aufräumen und Abbauen der Zelte. - Ach ja, der Küchendienst: Hier hatte Christian keine leichte Aufgabe bei der Einteilung; nicht immer gab es genug Freiwillige und ganz besonders am Samstag nach der "Schlacht" mit Nudeln und Spaghetti mit Ketchup war reichlich abzuwaschen. Am Ende hat aber doch alles funktioniert und ich denke, keiner hat sich ganz gedrückt vor der Arbeit. Meinen ganz besonderen Dank dafür an alle Beteiligten.

Gegen 11 Uhr erschienen zuerst Herr Wolter und danach Frau Hein, die gewisse Probleme hatte, den Platz allein zu finden. Hier ist noch zu erwähnen, dass Familie Wolter schon am Samstag Mittag auf der Durchreise kurz bei uns vorbeischaute und für den Nachmittag eine Riesenportion Kuchen für alle spendierte. Dankeschön dafür! Zuletzt kreuzte dann endlich auch Herr  Fortmann auf, der auf den letzten Kilometern noch in einen Stau geriet. Mit vereinten Kräften beendeten wir dann den Abbau und verstauten alles Gepäck und alle Personen und machten uns rechtzeitig vor der Mittagsruhe auf den Weg. Die Abrechnung mit der Platzleitung fiel angenehm günstig für unsere Reisekasse aus: lediglich ein Erwachsener und neun Kinder (unter 12!) sowie ein Stellplatz (trotz der zeitweilig 5 Zelte!) wurden berechnet. In Hamburg, wo wir nach freier Fahrt gegen 12:30 Uhr ankamen (der Stau war zum Glück in Gegenrichtung), wurden wir schon von Herrn Kirsanow erwartet. Die Kinder wurden dann von ihren jeweiligen Chauffeuren noch bis nach Hause gebracht. Vielen Dank allen Fahrern für die Mithilfe und den großzügigen Verzicht auf Benzingeld.

Am Dienstag gab unser Kassenwart Heinz Bartlitz in Abstimmung mit dem Vorstand dann noch einen Zuschuß von DM 120,- aus der Vereinskasse zu den Platzkosten von DM 225,-. Durch diesen Vereinszuschuss ist es nun möglich, dass die von den Teilnehmern vorab gezahlten DM 30,- für die gesamte Reise inkl. Verpflegung und Platz ausreichen, indem der Wert der nicht verzehrten Speisen und Getränke entsprechend hoch von mir vergütet wird.

Fazit und Schluss

Es war eine gelungene Fahrt, die allen Teilnehmern viel Spaß gemacht hat und sowohl menschlich als auch schachlich ein Erfolg war. Das Programm war nicht so voll, dass für Spiel und Sport außer Schach auch noch Zeit blieb. Und aus einzelnen Partien wurden sogar Stellungen und Varianten nachträglich analysiert, was bei Schnellpartien, die ja nicht mitgeschrieben werden, schon ganz erstaunlich ist. Man lernte sich untereinander viel besser kennen und auch aufeinander Rücksicht zu nehmen und Pflichten für die Gemeinschaft zu übernehmen. - Dass das Wetter nicht 100%ig optimal war, hat eigentlich keinen gestört; im Gegenteil – es macht sogar noch mehr Appetit auf einen neuen Versuch, wenn es mal besser ist. Vielleicht im Spätsommer, aber auf jeden Fall im nächsten Jahr werden und wollen wir das noch einmal in dieser oder ähnlicher Art wiederholen.

Am Schluss noch einmal mein Dank an alle Beteiligten und Unterstützer:

- die Kinder und Jugendlichen, die sich so "pflegeleicht" in dieser ungewohnten Umgebung zurechtfanden und den richtigen Mittelweg zwischen Freiheit und Disziplin hervorragend gefunden haben

- die Eltern, die uns mit Rat und Tat (Ausrüstung, Verpflegung, Fahrdienst , Reisekosten) geholfen haben

- alle Klubmitglieder und den Vorstand für finanzielle und "atmosphärische" Unterstützung

- ganz besonders Norbert Fortmann, der ohne als Vater beteiligt zu sein, hier an zwei Tagen viel Freizeit geopfert hat

- und meine Frau Aida, ohne deren Hilfe bei der Vorbereitung und auch danach, das Ganze nicht möglich gewesen wäre.

Peter Schneider
 

Schnellschach Jugendfreizeit 99

Rangliste: Stand nach der 4. Runde 
Rang
Teilnehmer
S
R
V
Punkte
Buchh
SoBerg
1.
Peter Schneider
3
1
0
6.5
19.0
31.00
2.
Dennis Wolkenhauer
2
1
1
5.0
18.5
19.00
3.
Sergius Kirsch
2
1
1
5.0
17.5
18.00
4.
Jon-Jon Schneider
1
3
0
5.0
13.0
14.50
5.
Christian Mikat
1
2
1
4.5
17.5
16.00
6.
Jenny Hein
2
1
1
4.5
15.0
12.25
7.
Jan André Wolter
1
2
1
4.0
15.5
11.50
8.
Philip Craib
1
1
2
3.0
15.5
7.00
9.
J.P. Schneider
0
1
3
1.5
15.5
3.25
10.
Simon Kirsanow
0
1
3
1.0
13.0
1.50

Blitzschach 1 Jugendfreizeit 99

Rangliste: Stand nach der 9. Runde 
Rang
Teilnehmer
S
R
V
Punkte
SoBer
1.
Peter
7
0
1
7.0
24.00
2.
Sergius
6
1
1
6.5
19.25
2.
Christian
6
1
1
6.5
19.25
4.
Dennis
5
0
3
5.0
17.00
5.
Jenny
3
0
5
3.0
6.00
6.
Jon-Jon
3
0
5
3.0
5.00
7.
J.P.
2
0
6
2.0
4.00
8.
Philip
2
0
6
2.0
3.00
9.
Jan
1
0
7
1.0
5.00

Blitzschach 2 - Jugendfreizeit

Rangliste: Stand nach der 9. Runde
Rang
Teilnehmer
S
R
V
Punkte
SoBer
1.
Peter
7
2
0
8.0
 31.50
2.
Dennis
7
0
2
7.0
24.00
3.
Christian
6
1
2
6.5
21.50
4.
Jon-Jon
6
0
3
6.0
23.50
5.
Sergius
4
1
4
4.5
18.00
6.
Jan
4
0
5
4.0
9.00
7.
J.P.
3
0
6
3.0
9.50
8.
Philip
3
0
6
3.0
9.00
9.
Jenny
2
0
7
2.0
5.50
10.
Simon
1
0
8
1.0
3.00


BSK-Logo

Zurück zur Jugend-Startseite
Zurück zur Homepage